Hildesheim (cha). Dem großen Ringtausch von Hildesheimer Schulgebäuden steht offenbar nichts mehr im Weg. Einstimmig sprach sich der Schulausschuss in seiner jüngsten Sitzung dafür aus, künftig mehrere Hundert Schüler an anderen Orten lernen zu lassen. Das letzte Wort spricht der Rat in einer seiner nächsten Sitzungen. Mit einer anderen Entscheidung als der einmütig im Schulausschuss getroffenen ist aber kaum zu rechnen.
Von den Neuerungen werden vor allem die Schüler und Eltern der Bonifatiusschule betroffen sein. Die Einrichtung wird mit der Elisabeth-Grundschule in der Moltkestraße zusammengelegt. „Es ist eine Schulschließung, das brauchen wir nicht schönzureden“, sagte Ratsfrau Christa Fischer (CDU) zur geplanten Zusammenlegung. „Aber wir haben eben auch das Gesamtbild der Hildesheimer Schulen zu berücksichtigen.“ Für diese Sichtweise warb auch Sozialdezernent Dirk Schröder. Bei zurückgehenden Schülerzahlen sei es sinnvoll, einzelne Schulen zusammenzulegen. Schröder verwies auch auf die finanziellen Auswirkungen: „Das führt zu enormen Einsparungen.“
Dieser Argumentation mochten einige betroffene Eltern nicht folgen. Elternvertreter Karsten Knobloch verwies während der Sitzung auf Zahlen, nach denen sich auch in den kommenden Jahren ausreichend Grundschüler für die Bonifatiusschule gefunden hätten. „Die Stadt hat doch bloß durchgedrückt, was sie von Anfang an haben wollte“, ärgerte sich auch Mutter Constanze Friedrich nach der Sitzung. Sie finde es schade, dass eine „gut funktionierende“ Grundschule, die zudem gute Ergebnisse bei der Schulinspektion erzielt habe, jetzt geschlossen werden solle. Während der Sitzung hatte sie ihrem Unmut noch mit einem lauten Zwischenruf Luft gemacht: „Was ist eigentlich mit den Eltern, die für 2012 noch eine Zusage bekommen haben?“, rief sie dazwischen. Ausschussvorsitzender Sebastian Herbeck wies sie zurecht – und sprach anschließend von einem „kleinen Nachteil“, den die betroffenen Eltern an dieser Stelle erdulden müssten. „Ich finde, die Stadt hätte versuchen sollen, eine andere Lösung zu finden“, sagte Friedrich nach der Sitzung.
Das ist leichter gesagt als getan, denn die Bonifatiusschule ist nur ein kleiner Baustein im kommenden Schul-Roulette. Vor allem der neuen Oskar-Schindler-Gesamtschule will die Stadt eine neue Heimat bieten. Sie wird – vorausgesetzt der Rat stimmt zu – zum Schuljahr 2013/2014 in die Räume der Bonifatiusschule und der benachbarten Don-Bosco-Schule ziehen. „Wir wollen eine starke Gesamtschule und eine attraktive Volkshochschule“, sagte Hartmut Häger (SPD). Die VHS bleibt in dem Gebäude am Pfaffenstieg und kann sich dort künftig weiter entfalten. Zudem soll am Pfaffenstieg das Schulmuseum einziehen, das bisher auf der Domäne Marienburg untergebracht ist. Auswirkungen haben die Umzugspläne auch für die auslaufenden Klassen der Hauptschule Alter Markt und der Freiherr-vom-Stein-Realschule: Sie sollen 2013 ebenfalls in die Don-Bosco-Räume in der Bromberger Straße. „Wir beabsichtigen, alle drei Schulen gleichzeitig umziehen zu lassen“, erklärte Fachbereichsleiterin Martina Donat im Ausschuss.
Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass mit dem Schultausch auch höhere Ausgaben bei der Schülerbeförderung anstehen. „Wir rechnen mit 26 Prozent mehr Schülern, die einen Anspruch haben werden“, sagte Donat. Das mache im Schuljahr 2013/2014 Mehrkosten in Höhe von 73 000 Euro aus.
(Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 22. September 2011)