Ahnenforschung: von Omas Couch ins Archiv

Martin Hartman, Stadtarchiv Hildesheim. Foto: Meinecke

Ahnenforschung beginnt Ostern. Oder Weihnachten, an einem runden Geburtstag oder bei einem Stück Kuchen. Wer den eigenen Stammbaum gedanklich hinaufklettern möchte, der kommt um Gespräche mit Angehörigen nicht herum. Noch vor der Ahnenforschung steht das Interesse an der eigenen Herkunft. Ist es einmal geweckt, sind es die Angehörigen, die Wissenslücken mit Geschichten füllen und alte Familienunterlagen vom Dachboden kramen. Selbst in kleinen Familien verliert man bei all den Informationen aber schnell den Überblick. Da hilft nur eins: ein System, um Notizen, Bilder und Urkunden zu ordnen. Martin Hartmann, Bereichsleiter des Hildesheimer Stadtarchivs empfiehlt, dazu ein Computerprogramm zu benutzen. Er hat privat einige ausprobiert und nutzt mittlerweile das kostenlose Programm „Ahnenblatt“. Bei vergleichbaren Online-Diensten ist aus Hartmanns Sicht Vorsicht geboten. Sie speichern die Informationen ihrer Nutzer.

Der nächste Schritt ist dann die Kontaktaufnahme mit dem Standesamt. Dort sind Geburtsregister, die weniger als 110, Heiratsregister, die weniger als 80, und Sterberegister, die weniger als 30 Jahre alt sind, verwahrt. Ältere Dokumente gibt’s in den Stadtarchiven. Diese kann jeder für 10 Euro am Tag einsehen. Schriftliche Anfragen beantworten die Archivmitarbeiter für 15 Euro pro Viertelstunde. Allein in Hildesheim gab es vergangenes Jahr mehr als 700 Anfragen auf Einblick in die Register. Die Tendenz ist steigend. „Man darf jedoch nicht vergessen: Archivforschung ist entweder Lust oder Frust“, warnt Hartmann. Nicht jeder findet, was er sucht. Die Standesämter dokumentieren Personenstandsdaten erst seit 1874. Informationen aus weiter zurückliegenden Jahrhunderten sind in Kirchenbüchern festgehalten. Sie erfassen allerdings kirchliche Amtshandlungen, also beispielsweise die Taufe statt der Geburt. Hürden müssen Ahnenforscher auch nehmen, wenn sie das gesuchte Dokument gefunden haben, aber den Text nicht lesen können. Die Schriftstücke liegen mitunter in altdeutscher Schrift vor oder enthalten ungewöhnliche Abkürzungen und unterschiedliche Schreibweisen einzelner Namen. Angehenden Ahnenforschern rät Hartmann: „Es ist wie mit allen Forschungen. Was auch immer Sie tun, irgendwann müssen Sie anfangen.“


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