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Schießereien und Vertreibung führen zum Drama

Tetovo (dpa) - Im Waffengeschäft von Jonce Nikolovski in der mazedonischen Krisen-Stadt Tetovo leeren sich Regale, in der Innenstadt leeren sich die Straßen. Seit die Rebellen der albanischen Guerillagruppe «Nationale Befreiungsarmee» (UCK) die Burg Kale am Stadtrand besetzt haben und sich bis in die Nacht immer neue Gefechte mit Polizeitruppen liefern, brodelt es. In der Stadt zeigen sich Bewaffnete.

Das andauernde Schießen und die Drohungen der Rebellen üben Psychoterror aus. Die Guerilla, die von Politikern abwechselnd als «Extremisten» oder «Terroristen» bezeichnet werden, will als Verhandlungspartner für eine Aufteilung Mazedoniens in eine Konföderation anerkannt werden. Auch viele Albaner bleiben besorgt in ihren Häusern. Mazedonier flüchten in vollgepackten Autos aus Tetovo.

«Es gibt große Angst, dass sich die Kämpfe bis in die Stadt ziehen», sagt Nikolovski, während nur ein paar Hundert Meter entfernt geschossen wird. «Jede zweite Familie schickt die Kinder weg», sagt er. Die anderen trauen sich zunehmend weniger auf die Straße und warten vor dem Fernseher auf Entscheidungen der Regierung. Die Mazedonier, die in der Stadt deutlich in der Unterzahl sind, haben in ihrem Viertel eine eigene Miliz aufgestellt. Nikolovski hat seine Waffen sicher verstaut.

Albaner berichten, dass viel Kriegsgerät aus dem nahen Kosovo über die Grenze geschmuggelt wurde. Waffenhändler Nikolovski weiß zudem, dass es viel Schießgerät in den Häuser gibt. «Bis vor drei Monaten hat der alte Polizeichef fast jedem eine Erlaubnis ausgestellt, vor allem den albanischen Partei-Aktivisten», sagt er. Die Praxis habe erst der neue Polizeichef Rauf Ramadani beendet.

Der mazedonische Albaner Ramadani ist ein früherer Jurist, dessen Person das Drama in dem kleinen Balkan-Staat personifiziert. Seine Beamten - darunter Mazedonier und Albaner im Staatsdienst - kämpfen auf dem nahen Berg gegen albanische Rebellen, die die Regierungsbeteiligung der «Demokratischen Albaner-Partei» (DPA) für gescheitert erklären. Die Rebellen-Kämpfer setzten alles auf Spiel und seien tatsächlich keine Patrioten, sagt er.

Militärisch seien sie aber sehr erfahren, sagt Ramadani, der verwundert wirkt. «Wir sprechen hier über Spezialkräfte, die eine Guerilla-Erfahrung haben», sagte er. «Und es sieht so aus, dass sie bis zum Ende gehen wollen.» Die UCK-Miliz habe vier strategische Positionen auf dem Burg unter Kontrolle, die die mazedonischen Sicherheitskräfte nicht einnehmen könnten.

Schon jetzt ist die Polizei selbst nicht sicher in Tetovo: «Wir können unsere Polizisten nicht in der Nacht auf die Straße schicken, weil sie dann zu Zielscheiben werden», sagt Ramadani. Die Entwicklung in Tetovo könne auf ganz Westmazedonien übergreifen, warnte er. Die mazedonischen Regierung schickt Verstärkung und zusätzliches Gerät in die Region, die ohne Kursänderung auf eine Katastrophe zusteuert.

Die Rebellen haben offenbar noch nicht gemerkt, dass ihre Angriffe den Albanern auf dem Balkan das Vertrauen und die frühere, internationale Sympathie entzogen haben. Der UCK-Kommandeur «Sokoli» sagte der Zeitung «Fakti»: «Die Welt versteht unseren Krieg. Wenn es nicht so wäre, würden sie uns Terroristen nennen, wie uns die mazedonische Regierung nennt.»


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