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| Kirch auf Schmusekurs zu Herstellern Hannover (dpa) - Im Kampf um die Macht in der Formel 1 geht Medien-Mogul Leo Kirch auf Schmusekurs mit den mächtigen Automobilherstellern und damit dem drohenden Streit aus dem Weg. Einen Tag, nachdem sich der Münchner Unternehmer gemeinsam mit EM.TV die Mehrheit an der Formel-1-Holding SLEC gesichert hatte, erklärte ein Kirch-Sprecher der dpa, dass die Rennen auch nach Auslaufen der aktuellen TV-Verträge im frei empfangbaren Fernsehen und nicht exklusiv im Pay-TV übertragen werden. Damit scheint das größte Problem im Streit mit den wichtigsten Herstellern ausgeräumt. Die einflussreichen Automobilfirmen hatten bereits mit einer eigenen Serie gedroht, falls Kirch die Formel 1 im Pay-TV gezeigt hätte. «Wir haben ein gemeinsames Interesse der Formel 1, deshalb wird sie nicht im Pay-TV verschwinden», sagte der Kirch-Sprecher einen Tag nach der Machtübernahme. Über das gemeinsame Unternehmen Speed hatten die KirchGruppe und EM.TV am Dienstagabend eine Option genutzt, um den Anteil an der Formel 1-Holding SLEC von 50 auf 75 Prozent zu erhöhen. Die dafür erforderlichen 987,5 Millionen Dollar stammen von der Kirch-Gruppe. «Die Formel 1 lebt von der Massenattraktivität, und die ist nur im Free-TV gewährleistet», hieß es bei Kirch. Das Unternehmen versucht damit, der Konfrontation auszuweichen. Das Risiko, die mächtigen Automobil-Konzerne zu verärgern, scheint zu groß. «Unsere Interessen decken sich», sagte der Kirch-Sprecher und sprach von einer «verständlichen Sorge», die durch «gezieltes Störfeuer von vielen Seiten» entstanden sei. Die Formel 1 sei ein hervorragendes Produkt, das «wir nicht kaputt machen wollen». Die Automobilhersteller hatten Widerstand gegen die aus ihrer Sicht feindliche Übernahme angedroht. «Wenn Kirch 75 Prozent der Aktienanteile bekommt, ist die Formel 1 tot», hatte Mercedes-Chef Jürgen Hubbert in der «Financial Times Deutschland» kritisiert. Vor allem DaimlerChrysler, BMW, Renault, Ford und Fiat hatten befürchtet, dass die Formel 1 ab 2004 nur noch im Pay-TV zu sehen sein könnte. Bis Ende 2003 liegen die Free-TV-Rechte in Deutschland bei RTL. Nur um seinen defizitären Pay-TV-Sender Premiere World zu unterstützen und weitere Abonnenten zu gewinnen, scheinen Kirch die Milliarden-Investitionen in die Rennserie zu hoch. «Die Formel 1 ist ein weltweites Ereignis, auch wenn Deutschland einer der wichtigsten Märkte ist», sagte der Kirch-Sprecher. Das neue Engagement sei nicht Teil des Pay-TV-Geschäftes, sondern des Sportrechte-Handels der KirchGruppe. Die Formel 1 ist vor allem deshalb so attraktiv, weil sie als einzige große TV-Sportart direkten Zugriff auf das Ereignis selbst erlaubt. Die KirchGruppe will sich trotz der neuen Mehrheitsverhältnisse nicht ins Tagesgeschäft einmischen. «Die Leitung der Formel 1 bleibt bei Bernie Ecclestone», sagte der Sprecher. Der 70-jährige Brite, der über seine Frau Slavica nun mit 25 Prozent Minderheit-Gesellschafter ist, sei weiter für das «operative Management zuständig». Dazu zählen auch die Verhandlungen über neue Fernsehverträge. Gleichzeitig widersprach die KirchGruppe der Auffassung, dass der Automobil-Weltverband FIA die Mehrheitsübernahme verhindern kann. «Nach unseren Verträgen sind wir jetzt Mehrheitsgesellschafter», hieß es bei Kirch. FIA-Präsident Max Mosley hatte in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» gesagt: «So einfach ist die Übernahme durch einen Dritten nicht. Wir haben einen Vertrag mit Bernies Familienfirma SLEC. Darin ist eine Klausel, die uns im Falle eines Besitzerwechsels ein Zustimmungsrecht einräumt. Wir müssten innerhalb von 60 Tagen Ja oder Nein sagen.» |
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