![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
| Große Ausstellung
zum Troja-Mythos Stuttgart (dpa) - In einer bisher einzigartigen Ausstellung sollen in den kommenden Monaten in Stuttgart nicht nur Glanz und Gloria des Grabungsfeldes der sagenumwobenen antiken Stadt Troja in Kleinasien dokumentiert werden. Von diesem Samstag an zeigt die Schau «Troia - Mythos und Wirklichkeit» im Forum der Landesbank Baden-Württemberg auch eindrucksvoll, wie sehr die Region an der türkischen Küste die Weltgeschichte der vergangenen Jahrhunderte beeinflusst hat. In zwölf Bildern, mit 800 Objekten und auf 1 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche begegnen dem Besucher der Ausstellung nicht nur die schöne Helena, der rasende Achill, der listenreiche Odysseus und der blinde Dichter Homer, auch an der antiken Stätte gefundene Waffen und Gefäße, Tafelgeschirr und Schmuck werden geboten. Ein eigener Audio-Führer mit Geschichtswissen, Geräuschcollagen, altgriechischen Versen und Opernausschnitten soll Troja zudem zu einem «Fall für die Sinne» werden lassen. Nach Ansicht des langjährigen Ausgrabungsleiters Manfred Korfmann wird es «nie wieder in dieser Größe und Zusammenstellung etwas über die kulturgeschichtliche Wirkungsmächtigkeit Trojas» geben. Bei seinen rund 13 Jahre andauernden Ausgrabungen sei es nicht mehr um die romantische Suche nach dem Schauplatz des Trojanischen Krieges gegangen, sagte der Tübinger am Donnerstag in Stuttgart. Wichtig war vielmehr die strategische Bedeutung Trojas und seine Einordnung in die hethitisch-mykenische Welt des zweiten Jahrtausends vor Christus. «Bevor wir anfingen mit den Grabungen, dachten wir lediglich, Troja sei ein Platz zum Abkassieren an den Dardanellen», sagte Korfmann. Die von ihm im wesentlichen konzipierte Ausstellung dokumentiert nun, wie gründlich sich das Bild Trojas durch die Forschungen der Archäologen und Physiker, der Botaniker und Computerexperten um Korfmann abgesetzt hat von dem, was noch aus den Schulbüchern bekannt ist. Der Amateur-Archäologe Heinrich Schliemann und seine Nachfolger hatten von 1871 bis 1938 lediglich die Burg von Troja freigelegt. Nicht einzuschätzen war damals die eigentliche strategische und ökonomische Macht der antiken Stätte. Die erst in jüngerer Zeit entdeckte Unterstadt mit Tausenden von Einwohnern lag südlich und westlich der Akropolis, die Schliemann fand, und war - das ist der entscheidende Punkt - befestigt wie ein gigantisches Bollwerk mit Toranlagen, Verteidigungsgraben und eigenem Mauerring. Die Geschichte Trojas musste nach dieser Entdeckung neu geschrieben werden. Keineswegs handelte es sich um eine kleine Burganlage, sondern um eine grandiose vorderasiatische Residenz und ein bedeutendes Staatsgebilde, das bis in die entferntesten Winkel Handel trieb, wie die Ausstellung zeigt. Deutlich wird in der Stuttgarter Schau auch, wie stark Troja die Fantasie heutiger Menschen und insbesondere von Künstlern beschäftigt hat. Ausgestellt sind unter anderen Teile des «Laokoon- Zyklus» des Malers Horst Janssen, Ausgaben der «Kassandra»- Erzählung von Christa Wolf und Bühnenbilder zu der Oper «Les Troyens» von Hector Berlioz. «Jedes Kind kommt zudem in irgendeiner Phase der Schule mit Troja in Verbindung, es gibt Begriffe wie die Achillesferse im Sprachgebrauch, es gibt Werbespots und Theaterstücke rund um die Stadt», meint Jörg Heiligmann vom Archäologischen Landesmuseum in Stuttgart. Und den Trojanischen Krieg, gab es den nun wirklich, so wie Homer ihn schildert? «Dass dort gekämpft wurde, ist unumstritten, aber ob es so war, wie es geschrieben steht, das ist nach wie vor nicht geklärt», sagt Heiligmann. Die Troja-Ausstellung ist später noch im Braunschweigischen Landesmuseum (14.7. bis 14.10.) und in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn (16.11. bis 17.2.) zu sehen. Fürs Publikum zugänglich ist die Stuttgarter Schau vom Samstagnachmittag an. Zuvor eröffnen Bundespräsident Johannes Rau und der türkische Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer die Ausstellung. Zu der Ausstellung erscheint ein Begleitbuch (488 S., zahlreiche Abb., DM 49,--) (URL: Troia: http://www. troia.de) |
|
![]() |