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| Blödel-Genie Jerry
Lewis wird 75 New York (dpa) - Er blödelt schon seit Jahrzehnten, doch ans Aufhören denkt Jerry Lewis noch nicht. «Wenn ich 95 bin, möchte ich allerdings mit einer Gehhilfe auf die Bühne dürfen», erbat sich «Der König des Verrückten», als er kürzlich einen 20-Jahres-Vertrag für Live-Shows in Las Vegas unterzeichnete. Am 16. März feiert der Schauspieler, Regisseur und Produzent, der zusammen mit Dean Martin die amerikanische Film- und Theaterkomödie nachhaltig beeinflusste, seinen 75. Geburtstag. Auf der Bühne stand der in Newark (New Jersey) geborene Joseph Levitch schon mit fünf Jahren in der Unterhaltungsshow seiner Eltern. Der Vater war Nachtklub-Sänger, die Mutter Klavierspielerin. Von der Schule hielt er wenig, und als ihn auch noch ein Lehrer durch antisemitische Beschimpfungen kränkte, haute Lewis dem Mann eine runter und verschwand. Eine Woche später trat er als Pausenclown zwischen Stripteasenummern in einem Klub in Toronto auf. Auch für Nebenjobs wie dem eines Würstchenverkäufers war sich Lewis nicht zu fein. Das Blödeln, die schielende Grimasse, das Stolpern über die eigenen Füße und derber Wortwitz waren damals schon das Beiwerk, mit dem er zur Freude seiner Mitmenschen kleinere und größere Missgeschicke des Alltags vergessen machte. Das scheinbar durch und durch tollpatschige Wesen des jungen Mannes täuschte viele darüber hinweg, dass Lewis hinter der Clownmaske hart und zielstrebig daran arbeitete, seine Gags in gute Gage umzumünzen. Dazu verhalf ihm bald die Begegnung mit dem neun Jahre älteren Dean Martin, der 1945 ebenfalls noch ein zwar begabter, aber weithin unbekannter Komödiant war. Gemeinsame Auftritte in Atlantic City brachten das Publikum zum Grölen und schon 1946 den Durchbruch zu großen Erfolgen im Kino, später auch im Fernsehen. «Die Energie dieser Bindung hat uns werden lassen, was wir gewesen sind», sagte Lewis einmal. Seine Filme mit Martin waren seit Ende der 40er Jahre bis zur Trennung des Duos 1956 Kassenschlager, darunter «My Friend Irma» und «The Stooge». Die Erfolgssträhne riss auch nicht ab, als die Erzkomödianten wieder getrennte Wege gingen. Mit eigenen Inszenierungen ließ Lewis nun etwas deutlicher durchblicken, dass er sich bei all dem Ausrutschen auf Bananenschalen, den unfreiwilligen Wasserduschen und den immer ausgerechnet auf seinen Schädel fallenden Blumentöpfen durchaus in der Tradition großer Vorbilder sah, unter ihnen Laurel & Hardy, vor allem aber Charlie Chaplin. Der adelte Lewis praktisch, als er eine Originalkopie seiner «Modern Times» gegen von Lewis' «Bellboy» tauschte. Der Film, eine Hommage an Stan Laurel, war 1960 der erste, bei dem Lewis auch Regie führte. Später drehte er Streifen, die bis heute als komödiantische Meisterwerke gelten, darunter «Der verrückte Professor» (1963) und «Wo, bitte, geht's zur Front» (1970). In seiner ersten dramatischen Rolle spielte Lewis 1981 an der Seite von Robert de Niro in Martin Scorseses «King of Comedy» einen berühmten Showmaster, der von einem Verehrer entführt wird. Mehr als sonst war er nach diesem Film von den Kritikern enttäuscht. Sie hätten ihn zwar ausgiebig gelobt, aber keinem sei aufgefallen, dass er überhaupt nicht geschauspielert habe, sondern einfach er selbst gewesen sei. |
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