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Bernardo Bertolucci
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Bernardo Bertolucci wird 60

Rom (dpa) - Aus seinem Hang zum Voyeurismus hat der italienische Filmemacher Bernardo Bertolucci nie einen Hehl gemacht. «Der Voyeur ist dazu verdammt, ständig den entsetzten Blick zu wiederholen, den das Kind auf seine Eltern bei der Liebe wirft», meinte er einmal über seine Arbeit. Seine großen Filme «Der letzte Tango in Paris», «Der letzte Kaiser» oder auch «La Luna» begeisterten die Zuschauer durch den Blick auf das Verbotene und das Verborgene.

Zwar liegen einige dieser Arbeiten erst gut zehn Jahre zurück, dennoch werden sie bereits als Klassiker der Moderne angesehen. Bertolucci, einer der letzten ganz Großen des italienischen Nachkriegskinos, wird am Freitag 60 Jahre alt.

«Der stärkste erotische Film, der je gedreht wurde», schwärmte ein amerikanischer Kritiker über den «Letzten Tango». Das war 1973, und der Streifen traf meisterlich das libertäre Lebensgefühl der jungen und nicht mehr ganz so jungen Generation. Ein 40-jähriger Amerikaner (Marlon Brando) irrt durch Paris, trifft eine blutjunge Französin (Maria Schneider), und «alles was für sie zählt, war ständig Sex zu haben», schrieb ein Kritiker. International war der Streifen ein Kassenschlager, in Italien jedoch verboten und brachte dem Regisseur dort gar eine Haftstrafe auf Bewährung ein.

Künstlerisch war der Film kein großer Wurf. Maria Schneider war als Schauspielerin so gut wie unbekannt. «Sie spielte ihre Nackt- und Sexszenen zwar ohne Hemmungen, aber ihr Charakter blieb ausdruckslos wie eine mondgesichtige Gummipuppe», wurde denn auch zu Recht moniert. Aber Marlon Brando und die Sexszenen auf dem Fußboden eines leeren Pariser Appartements machten Filmgeschichte und brachten dem Regisseur das nötige Geld für eines seiner ambitiösen Projekte, für den Film «1900», ein fünfeinhalb Stunden langes Epos über die italienischen Bauern- und Klassenkämpfe Anfang des Jahrhunderts.

Das war zwar nicht gerade der Stoff für einen Blockbuster, aber er entsprach dem politischen Anliegen des Marxisten und KP-Mitglieds Bertolucci. Zuvor, beim «Letzten Tango», hatten Kritiker ihm noch «unpolitisches Abdriften» in den Kommerz vorgeworfen. Auch seine ersten Streifen waren «politische Filme», wie es damals hieß. Bertolucci, Sohn einer großbürgerlichen Familie in Parma, war zunächst Assistent bei Pier Paolo Pasolini. «Vor der Revolution» (1961) erzählte etwa die Geschichte eines jungen Aristokraten aus Parma, der zum Marxisten werden will. «Der große Irrtum« (1970) mit Jean Louis Trintignant handelt über die Karriere eines «bürgerlichen Professors» während des Faschismus - «Spaghetti-Godard» spotteten manche Kritiker.

Seinen zweifelllos größten Erfolg schaffte der Filmemacher erst 1987. Der Film «Der letzte Kaiser», der neun Oscars und vier Golden Globes erhielt, schildert die Geschichte des letzten chinesischen Imperators, der bereits als Dreijähriger an die Macht kam, von den Untertanen als Gott verehrt wurde und «wie ein Gefangener seiner eigenen Macht lebte». Bertolucci durfte als erster «Westler» an Originalschauplätzen in Peking drehen, die zuvor für die Öffentlichkeit tabu waren. «Es ist die Geschichte einer Raupe, die zum Schmetterling wurde», meinte er, die Geschichte eines Kaisers, der gestürzt und «zum Menschen umerzogen wurde».

Dagegen wurde Bertoluccis zweiter Versuch mit fernöstlicher Thematik eher ein Flop. «Little Buddha» (1993), die Geschichte über die vermeintliche Reinkarnation des Religionsstifters, eröffnete zwar 1994 die Berlinale, aber die Erwartungen enttäuschte er. Lob bekam dafür «L'Assedio» (1998) über die zärtlich-platonische Liebe eines Pianisten zu einer schönen Afrikanerin. Fast der gesamte Streifen spielt in einem Palazzo an der Spanischen Treppe in Rom. «Kammermusikstück für das Kino», nannte das der Regisseur.


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