Nicht perfekt – aber besser als erwartet

Bundesfamilienministerin Christina Schröder (CDU) zeigte sich zufrieden: Gerade mal vor einem halben Jahr wurde der Bundesfreiwilligendienst (BFD) eingeführt, der die Lücke schließen soll, die durch den Wegfall des Zivildienstes entstand. Er ähnelt dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), steht aber auch Menschen über 27 Jahren offen und wird nicht von den Ländern, sondern vom Bund gefördert. Bislang haben sich schon mehr als 26 000 Menschen für den BFD entschieden. Die Zielmarke von 35 000 sei machbar, befand die Ministerin. Von ihrer Jubelstimmung lassen sich außerhalb der Politik aber nicht alle anstecken, auch nicht in Hildesheim.

Die Zahlen: Bis Anfang Januar hatten sich in Stadt und Landkreis 93 Freiwillige für den neuen Dienst gemeldet, darunter 48 Männer. Nur zwei der „Bufdis“ sind über 27 Jahre alt – in Niedersachsen (2592 Verträge) liegt der Anteil bei 20 Prozent. Im Landkreis Göttingen gibt es 160 BFDler, im Landkreis Oldenburg 69, in der Stadt Braunschweig 119. „Insgesamt betrachtet, hätten wir mit so einem hohen Zulauf nicht gerechnet“, sagt Josef Opladen, Sprecher des Kölner Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Die Einsatzorte: Um die Dienste der BFDler haben Krankenhäuser, Behindertenheime, Wohlfahrtsverbände, aber auch Bildungs-, Sport- und Kultureinrichtungen geworben. Die Resonanz in Hildesheim fällt unterschiedlich aus. Beispiel St.-Bernward-Krankenhaus: „Wir sind bisher total zufrieden“, sagt Sprecherin Judith Seiffert. Ziel des BK sei es ohnehin, soziales Engagement zu fördern. So setzt das Krankenhaus bereits 20 BFDler ein, dazu 23 FSJler. Vergleichsweise mau dagegen die Nachfrage in den Alten- und Pflegeheimen. „Trotz bundesweiter Werbekampagne hatten wir keine einzige Bewerbung“, sagt Volker Hagemann. Der Leiter des AWO-Seniorenzentrums Hinrich-Wilhelm-Kopf würde BFDler gerne als Fahrdienst oder in der Begleitung einsetzen, nicht in der Pflege. Er vermutet, dass Arbeit mit Kindern und Behinderten gesellschaftlich höher angesehen ist als mit Alten: „Das Problem ist zunehmend, dass die Einrichtungen zu Pflegeheimen werden, Demenzerkrankungen und hohe Sterberaten sind Alltag – und das wird oft negativ dargestellt.“

Die Aussichten: „In diesem Jahr konnten wir den Engpass noch mit Festangestellten und BFDlern ausgleichen“, sagt Elisabeth Fokken, die Geschäftsführerin des Paritätischen Hildesheim-Alfeld. Aber diesmal gab es ja auch den doppelten Abi-Jahrgang – und viele junge Schulabgänger. Ohne die Freiwilligen müssten aber beim Essen auf Rädern mehr Festangestellte eingesetzt werden, der Service würde die Kunden dann mehr kosten. Laut Bundesamts-Sprecher Opladen ist diese Sorge aber unbegründet: „Ich sehe das vorsichtig positiv. Im Moment gehen noch immer 200 Anträge pro Woche bei uns ein – warten wir doch mal ab!“


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